Nr. 1/2018
Das online Kundenmagazin der Schwenk Putztechnik

DER PERSÖNLICHE FINGERABDRUCK MACHT DEN UNTERSCHIED |

Die Baubranche boomt und auch die Auftragsbücher der Stuckateure sind prall gefüllt. Von Däumchen drehen und Langweile kann also keine Rede sein. Doch wie lange profitieren die Stuckateure noch von diesem Boom? Und wie müssen sich Fachhandwerker von heute an veränderte Marktbedingungen anpassen, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein? Diese und andere Fragen stellten wir Rainer König, selbst Stuckateurmeister und Vorsitzender des Bundesverbandes Ausbau und Fassade im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes.

INTERVIEW

Herr König, den Stuckateuren dürfte es genauso gehen wie allen anderen Handwerkern. Wenn gejammert wird, dann nicht über fehlende Aufträge, sondern über die hohe Auslastung. Können Sie und Ihre Kollegen sich also zurücklehnen und sagen: Alles in Butter!?
Von wegen. Das gute Auftragsvolumen nehmen wir natürlich gerne mit. Aber der Bauboom bringt eine ganze Reihe von Herausforderungen mit sich, denen wir uns stellen müssen. Der Markt wandelt sich gewaltig, und das hat natürlich gravierende Folgen für das Fachhandwerk, insbesondere auch für die Stuckateure. Ausschließlich mit seinen klassischen handwerklichen Leistungen kann ein Unternehmer in Zukunft nicht mehr bestehen. Auch wir Stuckateure müssen hier handeln und unser Portfolio dringend erweitern. Wir müssen noch mehr Dienstleister werden als bisher, sozusagen zum Koordinator zwischen den Gewerken werden. Denn nur so können wir uns auch in Zukunft von der immer stärker werdenden Konkurrenz abheben, die durch billige Arbeitskräfte aus Osteuropa entsteht. Daher müssen wir Stuckateure künftig viel stärker als bisher mit anderen Gewerken zusammenarbeiten und für den Auftraggeber die Projektleitung übernehmen. Es geht darum, sich gegenseitig die Bälle zuzuspielen und den Ausbaugedanken gemeinsam zu leben, nach dem Motto: Alles aus einer Hand. Denn genau das wünscht sich der Kunde von heute. Und genau da s ehe ich auch noch Potenzial, um als Fachhandwerker wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Es geht eben darum, nicht nur die Fassade zu machen, sondern auch gleich die Balkonsanierung mit anzubieten oder auch die Fenster und die Dacharbeiten. Da sind eben auch Managerqualitäten gefordert, denn es müssen einfach mehr Leistungen als bisher koordiniert werden. Wer es schafft, seinen Kunden hier ein Rundum-Sorglos- Paket anzubieten, der wird erfolgreich sein. Mit den reinen Ausbauarbeiten wird es nicht mehr funktionieren, denn hier wandern die Aufträge leider immer mehr in den Graumarkt ab. Diese Arbeiten erledigen mittlerweile Leute, die teilweise in Bussen auf der Baustelle übernachten. Das Problem ist natürlich auch ein Stück weit hausgemacht. Denn wenn wir heute Aufträge an Subunternehmer aus dem Ausland vergeben, dann konkurrieren wir morgen genau mit diesen Subunternehmern um die Aufträge.

Sich von dieser Konkurrenz besser abheben zu können, bedeutet dann sicher auch, dass sich die Stuckateure besser und stärker als Fachhandwerker vermarkten müssen als bisher, oder?
Natürlich! Die Unternehmer müssen ganz klar ihre Stärken herausstellen und sagen: Dafür stehe ich mit meinem Betrieb, das sind meine Kernkompetenzen. Man muss sich seine Nischen suchen und in tensiv herausarbeiten, wie man in die sen erfolgreich ein kann. Genau deshalb haben wir ja auch uns er Ausbildungs-Programm des Ausbaumanagers gestartet. Hier beginnt jetzt im November bereits der vierte Kurs. Das Konzept kommt hervorragend an, denn es kombiniert die praktische Ausbildung auf der Baustelle mit Führungsaufgaben im Handwerk. In diesen Inhalten geht es viel um die strategische Ausrichtung, Unternehmensführung, Marketing und Vertrieb. Also genau die Fähigkeiten, die ein erfolgreicher Unternehmer benötigt. Es kommt uns im Verband ja auch darauf an, dass wir den Generationenwechsel erfolgreich hinbekommen und die Zahl der Handwerksbetriebe hoch halten können. Wenn ein Unternehmer aus Altersgründen aufhört, muss jemand da sein, der den Betrieb übernehmen will und das natürlich auch kann. Daher investieren wir viel in die Aus- und Weiterbildung, wie ja auch der aktuelle Neubau des Branchenzentrums für Stuckateure in Rutesheim zeigt. Dort bündelt sich Know-how pur und das wird ein echter Meilenstein. Die Kombination aus Werkstätten, Praxis- und Theorieräumen sowie Übernachtungsmöglichkeiten in 20 Zimmern ist in dieser Art einzigartig.

UNTERNEHMER MÜSSEN IHRE STÄRKEN UND KERNKOM­­­PETENZEN HERAUSSTELLEN

Das wird dann sicher auch die neue Heimstätte für das Nationalteam der Stuckateure, oder? Wie wichtig ist die Nationalmannschaft für die öffentliche Wahrnehmung des Stuckateurberufs?
Das Nationalteam ist Gold wert! Das bringt uns draußen eine enorme Publicity, egal ob in der Politik oder bei den Verbrauchern, zudem hat es auch eine enorme Wirkung nach innen. Es ist doch toll, dass Stuckateure über das Nationalteam sehen, welche Chancen es im Handwerk gibt, dass man hier über die EuroSkills und WorldSkills eben auch an Europa- und Weltmeisterschaften teilnehmen und sozusagen ein Botschafter für unser Handwerk sein kann. Mit dem Nationalteam können wir junge Menschen abholen und Interesse am Beruf des Stuckateurs wecken. Das trägt enorm zum Image des Berufs bei. Das ist auch dringend notwendig, denn natürlich spüren wir auch bei den Stuckateuren den Fachkräftemangel. Ich kann daher nur an alle meine Kollegen appellieren, weiter die Werbetrommel für die Ausbildung im Stuckateurhandwerk zu rühren, denn wir brauchen diese gut ausgebildeten Fachkräfte, gerade in Hinblick auf die aktuellen Veränderungen am Bau. Es wird alles technischer und digitaler. Die Gebäude werden komplexer. Umso wichtiger ist die fachliche Ausbildung. Mit einer einfachen Hilfskraft, wie man sie vielleicht von früher her noch kennt, geht das in Zukunft nicht mehr. Und stellvertretend für die top ausgebildeten Handwerker steht das Nationalteam der Stuckateure – das ein absoluter Imageträger ist. Dass die SCHWENK Putztechnik das Nationalteam als Exklusiv-Sponsor unterstützt, dafür kann ich mich nur sehr herzlich bedanken, im Namen des Nationalteams, aber auch im Namen des Verbandes. Denn es zeigt, dass die SCHWENK Putztechnik eine echte Profimarke für das Fachhandwerk war und ist.

Apropos Marke: Die Marke SCHWENK Putztechnik darf ja nur noch bis Mitte 2020 genutzt werden. Welche Erwartungen haben Sie als Stuckateur an die neue Marke?
Das ist wirklich eine sehr große Herausforderung für die quick-mix Gruppe, denn der Name SCHWENK Putztechnik steht für hohe Qualität bei den Produkten, hohe Kompetenz in der Beratung und einen guten Baustellenservice. Da wünsche ich mir natürlich, dass dies so weitergeführt wird. Entscheidend ist, dass dieses hohe Niveau, welches die Stuckateure von der Marke SCHWENK Putztechnik bisher gewohnt waren, auch in Zukunft gehalten wird. Das erwarten die Stuckateure als langjährige Partner einfach. Aber ich bin mir sicher, dass man dies auch in der Führung der quick-mix Gruppe weiß und richtig werten wird.

Sie haben bereits kurz die Digitalisierung am Bau angesprochen. Lassen Sie uns dieses Thema noch einmal vertiefen in Bezug auf die Herausforderungen für das Stuckateurhandwerk.
Das sehe ich sehr differenziert. Klar kommt die Digitalisierung, dem werden wir uns nicht verschließen können. Aber der Handwerker muss immer noch vor allem Handwerker bleiben. Natürlich werden wir in Zukunft den Kunden 3-D-Planungen vorlegen müssen, damit sie gleich in der Beratung ein Raumgefühl bekommen. Da müssen wir uns dem Trend hin zum BIM anschließen, daran führt kein Weg vorbei. Wer hochwertigen Ausbau machen will, der muss auch hochwertig präsentieren, da gibt es wirklich tolle technische Möglichkeiten. Allerdings dürfen wir uns nicht nur auf die digitalen Daten fokussieren, denn dann sind wir schnell austauschbar. Da braucht es unbedingt den individuellen handwerklichen Fingerabdruck. Wir müssen zeigen, wofür wir Stuckateure stehen, und das sind in erster Linie die handwerkliche Qualität und die Individualität, die eben durch digitale Leistungen allein nicht erbracht werden können.

WIR MÜSSEN ENERGIE EINSPAREN, DAS SIND WIR UNSEREN KINDERN UND AUCH ENKELKINDERN SCHULDIG

Ein weiteres Instrument, die Qualität des Stuckateurhandwerks sichtbar zu machen, ist der Wettbewerb Stuckateur des Jahres. Wie zufrieden sind Sie hier mit der Entwicklung?
Mittlerweile bin ich sehr zufrieden. Den Wettbewerb gibt es seit drei Jahren. Anfangs wurde er eher schleppend angenommen, aber mittlerweile läuft es sehr gut. Und ich muss sagen: Die Einsendungen, die wir zum Wettbewerb 2018 bekommen haben, waren wirklich hervorragend. Am Stuckateur des Jahres sieht man auch, dass unser Konzept aufgeht, das unternehmerische Denken zu stärken. Denn wer beim Wettbewerb mitmacht, der beschäftigt sich ja wirklich intensiv mit den entscheidenden Fragen: Wofür stehe ich? Wo will ich hin? Was sind meine Stärken? Wo hebe ich mich ab von der Konkurrenz? Genau dieses Bewusstsein, sich als Stuckateurbetrieb selbst auch als regionale Marke zu begreifen, bringt den Handwerker auch als Unternehmer weiter. Davon profitieren alle Teilnehmer enorm, unabhängig davon, ob sie am Ende gewinnen. Von daher lade ich alle Kolleginnen und Kollegen ein, sich am Wettbewerb für 2019 zu beteiligen. Es lohnt sich!

ÖKOLOGISCHE BAUSTOFFE SIND GEFRAGT

Nicht wirklich gelohnt hat sich für die Stuckateure in jüngster Zeit leider der Fokus auf Wärmedämm-Verbundsysteme. Hier ist der Markt bekanntlich total eingebrochen. Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation?
Im privaten Wohnungsbau liegt das Thema nach wie vor am Boden, wobei ich glaube, dass die Talsohle mittlerweile durchschritten ist. Auch bei mir im Unternehmen verspüre ich gerade einen Anstieg in der Nachfrage. Zum WDVS habe ich eine ganz klare Meinung: Wir müssen wegkommen von dieser ewigen Amortisierungsdebatte. Es darf einfach keine Rolle spielen, nach wie viel Jahren sich die Investition vielleicht rechnet. Es muss vielmehr in den Fokus gerückt werden, dass wir einfach Energie einsparen müssen, dass wir das unseren Kindern und auch Enkelkindern schuldig sind. Wir können nicht mit so hohen Energieverbräuchen wie bisher weiterleben. Da ist noch soviel Potenzial, auch bei uns in Deutschland. Für Wärmedämm -Verbundsysteme würde ich mir wünschen, dass sie auch stärker unter dem Gesichtspunkt des Klimaschutzes und auch des sommerlichen Wärmeschutzes gesehen werden. Dann kann die Nachfrage wieder steigen. Und den Verbrauchern bieten sich ja alle Möglichk eiten. Egal ob EPS, Mineralwolle oder auch Holzweichfasersysteme wie das neue „Natura Wall“ von der SCHWENK Putztechnik. Da ist für jeden der passende Baustoff dabei. Und klar: Für uns Stuckateure wäre es schon toll, wenn der WDVS-Markt wieder anzöge. Denn wenn man das WDVS im Paket mit anbieten kann, dann steigt der Umsatz, die Wertschöpfung wird größer und auch die Auslastung ist eine ganz andere. Wenn meine Mitarbeiter ein WDVS anbringen, dann sind die schon mal ein paar Wochen ausgelastet. Wenn ich Sie nur zum Fassadenanstrich schicke, sind sie nach ein paar Tagen wieder auf dem Hof und brauchen einen neuen Auftrag. Leider hat die Politik gerade gezögert und die geplante Förderung für die energetische Sanierung zugunsten des Baukindergeldes zurückgezogen. Das wäre schon ein Impuls gewesen. Positiv ausgewirkt hat sich dagegen im Zuge der EnEV-Novellierungen der Wegfall der bisher vorgeschriebenen Dämmstoffstärken. Das wurde zum Glück entschärft und wird dafür sorgen, dass sich mehr Verbraucher mit dem Thema Dämmung beschäftigen. Nicht zu vergessen, dass WDVS nicht nur zur energetischen Sanierung geeignet ist, sondern auch die Wohn- Behaglichkeit in Innenräumen deutlich verbessert.

Eine Alternative könnte die von der SCHWENK Putztechnik entwickelte Neuheit TRI-O-THERM M sein, die spritzbare Dämmung. Wie sehen Sie das Potenzial?
Diese Innovation ist insgesamt klasse für uns Stuckateure, denn Sie bietet uns die Chance, hier eine Lösung anzubieten, die eben nur wir Stuckateure ausführen können. Das ist ein absolutes Alleinstellungsmerkmal. Wir haben das Know-how und die passende Technik dafür. Dies passt wie die Faust aufs Auge, denn wenn jemand dickschichtig verputzen kann, dann sind wir das. Eine Dämmplatte verkleben, das können andere auch. Wir haben jetzt die Alternative, die für uns absolut einfach zu verarbeiten ist. Die Rückmeldungen aus dem Markt sind sehr gut. Nicht nur im Neubau, sondern vor allem auch in der Renovierung kommt TRI-O-THERM M ja sehr gut an. Da gibt es noch ein großes Potenzial für uns. Das sollten wir nutzen.

Kommen wir zum Neubau. Wird sich der Trend hin zum Passiv- oder Plusenergiehaus in Ihren Augen verschärfen?
Ich denke, ja! Es ist doch heute bereits relativ einfach möglich, ein Plusenergiehaus zu bauen. Mit der entsprechenden Wärmedämmung und Haustechnik sowie einer Photovoltaik-Anlage ist das kein Hexenwerk. In Zukunft wird es so weit gehen, dass wir nicht nur die Energieversorgung unserer Häuser selbst in die Hand nehmen, sondern auch noch die Elektrofahrzeuge über die Photovoltaikanlage aufladen, also das Wohnen ganz eng mit unserer Mobilität verknüpfen. Stellen Sie sich mal vor, wie toll das wäre, wenn ich jetzt schon über die in uns erem Betrieb installierte Photovoltaikanlage die Fahrzeuge aufladen könnte, mit denen ich dann meine Mitarbeiter auf die Baustelle schicke.

Und was denken Sie über ökologische Baustoffe?
Auch dieses Thema wird in Zukunft eine stärkere Bedeutung bekommen. Da ist die SCHWENK Putztechnik mit ihrer Kalkinnenputzlinie KIP ja sehr gut aufgestellt. Die Umwelteinflüsse von außen nehmen für die Menschen immer mehr zu. Stress, Lärm – da will man ein schönes und gesundes Zuhause haben und setzt auf mineralische und ökologische Baustoffe ohne Schadstoffemissionen. Auch die Regionalität spielt eine Rolle, es kommt darauf an, dass Baustoffe nicht über Tausende von Kilometern transportiert werden. Sie sehen schon, uns Stuckateuren wird auch in Zukunft nicht langweilig werden. Im Gegenteil.

Herr König, wir danken Ihnen für das interessante Gespräch.

UMWELT­EINFLÜSSE VON AUSSEN, WIE STRESS UND LÄRM, NEHMEN IMMER MEHR ZU

WER NACH ALLEN SEITEN OFFEN IST, KANN NICHT GANZ DICHT SEINDer stille Riese